Offizin Haag-Drugulin

Offizin Haag-Drugulin - der Tradition verbunden

Jahrhundertelang hat sie die Menschheit fasziniert und in ihren Bann gezo­gen: Johannes Gutenbergs Kunst des Druckens, die man auch die ›Schwarze Kunst‹ nannte, weil sie geheim­nisvoll war, teufelsmächtig schien – und die den Meister nach einer Umfrage des Magazins Time-Life zum Man of the Millennium werden ließ. Heute gibt es vielleicht nur noch einen Ort, wo sie in unverfälschter, handwerklicher Weise ausgeübt wird: in der tradi­tionsreichen Druckstadt Leipzig – in der Offizin Haag-Drugulin.

Die Anfänge reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück, doch wird als Gründungs­jahr 1829 angesehen, als Friedrich Nies die Druckerei übernahm. Auf Wanderschaft hatte er erkannt, daß sich mit einem reichen Schriftensortiment, besonders an orientalischen Schriften, gutes Geld verdienen ließ. Schon 1831 wurde deswegen eine Gießerei angegliedert. Bald war der Name der Offizin ein Synonym für Letternvielfalt und Schriftkultur. Bei orientalischen Sprachen machte die Offizin Ende des 19. Jahrhunderts selbst den Staats­druckereien in Wien und Paris den Rang streitig.

Wiederentdeckung einzigartiger Bleisatzschriften

Berühmte Schriften wie die Janson oder die Luthersche Fraktur wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei der Offizin in Original-Matrizen wieder­entdeckt. Und die Bessemer-Versalien gibt es in keiner anderen Druckerei.

Beziehungen zu renommierten Verlagshäusern und namhafte Autoren

Ihre Blütezeit hatte die Offizin W. Drugulin vor dem Ersten Weltkrieg. Schrift­auswahl und Druckqualität schufen enge Beziehungen zu den bedeutendsten Verlagshäusern jener Zeit, beipielsweise zu S. Fischer, Ernst Rowohlt, Kurt Wolff, Eugen Diederichs und anderen. Renommierte Zeitschriften wie »Pan«, »Die Insel« oder »Der Genius« entstan­den in den Werkstätten, auch die Reihe der Drugulin-Drucke, mit der Ernst Rowohlt gut ausgestaltete Aus­gaben in höheren Auflagen zum günstigen Preis herausbrachte. Kurt Wolff, dessen Verlag der jungen Generation eine illustre Schar der bemerkens­wertesten Autoren an­zog, verdankte die Offizin viele Erstausgaben, die Literaturgeschichte gemacht haben. Erinnert sei an Georg Trakl, Franz Kafka, Franz Werfel, Walter Hasenclever, Max Brod, Robert Walser, Carl Stern­heim, aber auch an Heinrich Mann und Karl Kraus.

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg

Nach dem Ersten Weltkrieg fehlte das Geld für aufwendige Drucke. Die Offizin kam in Schwierigkeiten, die Gießerei mußte verkauft werden. Eine Fusion mit der Druckerei Haag aus Melle brachte nicht den erhofften Erfolg. Erst mit dem Erwerb durch Koehler & Volckmar 1931 konnte unter der Ägide von Ernst Kellner der gute Ruf der Offizin Haag-Drugulin wiederhergestellt werden.

Die Offizin unter der Leitung von Ernst Kellner und Horst Erich Wolter

Der Neubeginn nach 1945 gestaltete sich schwierig. Haag-Drugulin blieb das Schicksal der Enteignung nicht erspart. Horst Erich Wolter, der an die Stelle Kellners trat, ist es zu danken, daß das Haus auch als volkseigener Betrieb dem typographischen Credo treu blieb. Das schlug sich nicht zuletzt in dem Wettbewerb der schönsten Bücher der DDR nieder. Keine Druckerei – in manchen Jahren waren es mehr als fünfzig Prozent – hat so viele Aus­zeichnungen erhalten wie die Offizin Haag-Drugulin, die 1954 zu Ehren des dänischen Schriftstellers in Andersen Nexö umbenannt worden war.

1992 Verschmelzung mit der Buchdruckerei SchumacherGebler

Um die kulturhistorisch wertvollen Schätze an Bleischriften, die nach der Wende noch im reichen Maße vorhanden waren, zu erhalten, hatten etwa fünfzig deutschsprachige Verlage an die Treuhandanstalt einen Aufruf gerichtet. Sie möge den Betriebsteil Nonnenstraße, der den Kern der alten Offizin Haag-Drugulin darstellte, aus dem graphi­schen Großbetrieb Andersen Nexö herauslösen und einen geeigneten Käufer dafür suchen. Diesem Aufruf ist die Treuhand letztlich gefolgt, damit hatte sie den Weg freigemacht, die Buchdruckerei Schumacher­Gebler 1992 mit der Offizin Haag-Drugulin zu verschmelzen. Aus der Zusammenlegung der reichen Letternbestände, auch der Monotype-Technik aus München, ist ein einzigartiger Spezialbetrieb für hand­werkliche Buchkunst entstanden. Den Schwerpunkt der Aufträge bilden heute mit Originalgraphik ausgestattete Künstlerbücher in limitierten Auflagen. Regelmäßig sind Arbeiten des Hauses unter den ausgezeichneten Titeln entsprechender Wettbewerbe zu finden.